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Beste Reisezeit 2026: Klimatabellen richtig lesen

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Wann ist eigentlich die beste Zeit zu verreisen? Diese Frage steht am Anfang fast jeder Planung – und wird meist aus dem Bauch beantwortet: im Sommer, wenn frei ist. Dabei entscheidet das Timing über Wetter, Preis, Andrang und am Ende darüber, wie erholsam eine Reise wird. Wer Klimatabellen richtig liest, reist entspannter – ganz im Sinne von Slow Travel.

Kurz vorab – Faktentreue: Klimatabellen zeigen langjährige Mittelwerte, kein Wetter. Ein „durchschnittlich warmer” Monat kann im Einzeljahr verregnet oder glühend heiß sein, und der Klimawandel verschiebt gewohnte Muster spürbar. Die Klimawerte hier stammen aus amtlichen Normalen der Referenzperiode 1991–2020; für Palma und Teneriffa veröffentlicht der spanische Wetterdienst AEMET stationsbezogen weiterhin nur die ältere Periode 1981–2010, das ist in der Tabelle ausgewiesen. Die Angaben zu Übernachtungen, Preisen und geöffneten Betrieben sind dagegen Werte einzelner Jahre aus Eurostat- und INE-Statistiken – sie beschreiben ein Jahr, keinen Durchschnitt. Prüfe vor der Reise die aktuelle Prognose.

Warum Timing immer wichtiger wird

Zwei Entwicklungen machen die Wahl der Reisezeit heute wichtiger als früher. Erstens die Hitze. Der europäische Sommer 2025 lag nach Auswertungen des EU-Klimadienstes Copernicus (C3S) um 0,90 Grad über dem Mittel 1991–2020 und war damit der viertwärmste seit Beginn der zugrunde liegenden Datenreihe ERA5. Im spanischen Festlandsgebiet war es nach Angaben des Wetterdienstes AEMET mit 24,2 Grad Mitteltemperatur der wärmste Sommer seit Beginn der Reihe 1961 – an 33 Tagen herrschten Hitzewellenbedingungen.

Zweitens der Andrang. Nach Eurostat entfielen 2025 rund 31 Prozent aller EU-Übernachtungen auf nur zwei Monate – in jedem Mitgliedsland Juli und August. In Kroatien sind es 54,5 Prozent, in Deutschland 24,0 Prozent.

Der ehrliche Haken dabei: Die Randmonate sind nicht immun. Der September 2025 lag europaweit um 1,23 Grad über seinem eigenen Mittelwert, der Sommer nur um 0,90 Grad über seinem. Das heißt nicht, dass der September heißer war – absolut blieb er deutlich kühler. Es heißt: Auch die Randmonate erwärmen sich, der gewohnte Abstand zum Hochsommer schrumpft. Auch der Oktober 2025 lag in Spanien um 2,1 Grad über seinem Mittel.

Eine Klimatabelle richtig lesen

Die meisten schauen nur auf eine Zahl: die Höchsttemperatur. Dabei steckt der eigentliche Wert im Zusammenspiel mehrerer Werte.

  • Tag- und Nachttemperatur: Erst beide zusammen zeigen, ob es abends abkühlt oder die Nacht drückend bleibt. Nach IPMA-Normalen zählt Faro im August im Mittel 15 Nächte über 20 Grad, im September 8.
  • Regentage statt Regenmenge: Zehn kurze Schauer fühlen sich anders an als ein einziger Dauerregentag. In Lissabon steigt die Zahl der Regentage von unter einem im Juli auf rund neun im Oktober – aus einem nahezu regenfreien Monat wird einer mit Regen an jedem dritten bis vierten Tag.
  • Heiße Tage statt Mittelwert: Wie oft es über 30 Grad geht, sagt mehr über den Sommerkomfort als die mittlere Höchsttemperatur. Faro kommt im Juli auf 13 Tage über 30 Grad, im September nur auf 3 – bei einer Tageshöchsttemperatur, die lediglich 3 Grad tiefer liegt.
  • Wassertemperatur: Für Badeurlaub entscheidend – und sie verläuft nicht parallel zur Luft. Nach dem World Ocean Atlas 2023 der NOAA (Mittelung 1991–2020) liegt das Meer vor den Balearen im August bei 26,9 Grad und im September noch bei 25,2 – im Juni dagegen erst bei 22,5 Grad. Vor Kreta und in der westlichen Ostsee ist das Muster dasselbe. Die Werte sind Gittermittel im offenen Wasser, keine Strandmesswerte.
  • Sonnenstunden: Ein guter Indikator dafür, wie sich ein Monat anfühlt – und oft überraschend. In Edinburgh ist der Mai nach Met-Office-Normalen mit 195 Stunden der sonnigste Monat des Jahres, mehr als der Juli mit 170.

Sieben Ziele im Zahlenvergleich

Tageshöchsttemperatur und Regentage, Mai und Juli bis Oktober (hervorgehoben: September)
ZielMaiJuliAugustSeptemberOktober
Lissabon23,1 °CRegentage 5,828,2 °CRegentage 0,628,8 °CRegentage 1,126,6 °CRegentage 3,822,8 °CRegentage 8,7
Faro / Algarve23,5 °CRegentage 3,829,4 °CRegentage 0,229,2 °CRegentage 0,226,4 °CRegentage 1,923,3 °CRegentage 6,0
Funchal / Madeira22,0 °CRegentage 3,325,4 °CRegentage 0,326,8 °CRegentage 0,426,6 °CRegentage 3,125,2 °CRegentage 7,0
Florenz24,5 °CRegentage 7,832,2 °CRegentage 3,032,5 °CRegentage 3,827,1 °CRegentage 6,621,6 °CRegentage 8,6
Edinburgh14,9 °CRegentage 9,619,3 °CRegentage 11,519,1 °CRegentage 10,416,9 °CRegentage 9,913,4 °CRegentage 11,7
Palma de Mallorca1981–201023,7 °CRegentage 3,831,2 °CRegentage 0,531,3 °CRegentage 1,727,9 °CRegentage 4,323,9 °CRegentage 6,1
Teneriffa Süd1981–201023,9 °CRegentage 0,327,7 °CRegentage 0,028,4 °CRegentage 0,227,9 °CRegentage 0,626,8 °CRegentage 1,6

Mittlere Tageshöchsttemperatur, darunter mit Tropfen die mittlere Zahl der Regentage (Schwelle 1 mm). Quellen (abgerufen 08/2026): IPMA (Lissabon, Faro, Funchal), Consorzio LaMMA mit Daten des Servizio Meteorologico dell’Aeronautica Militare (Florenz), Met Office (Edinburgh) — jeweils Klimanormale 1991–2020. AEMET (Palma, Teneriffa Süd) weicht mit der Periode 1981–2010 ab, siehe Hinweis oben. Für Florenz nennt die Quelle keine Schwelle für „Regentag”; dieser Wert ist mit den übrigen Zeilen nur eingeschränkt vergleichbar.

Zwei Muster springen ins Auge. Auf Madeira und Teneriffa ist der Oktober wärmer als der Mai und liegt nur gut anderthalb Grad unter dem August – dort ist die Nebensaison klimatisch schlicht die bessere Hauptsaison. In Florenz dagegen kippt der Oktober ab: von 32,5 auf 21,6 Grad, bei mehr als doppelt so vielen Regentagen wie im August. Für die Toskana ist der September der bessere Randmonat.

Was die Nebensaison wirklich bringt

Der Andrangvorteil ist messbar. Nach Eurostat verzeichnete die kroatische Adria im August 2025 rund 26,0 Millionen Übernachtungen – im Oktober nur 3,1 Millionen, ein Faktor von über acht. In der Toskana liegt das Verhältnis August zu Oktober bei 2,6 (2025), auf den Balearen bei 1,7 (2024).

Mittelmeer und Südeuropa

Für Küste und Städte im Süden sind Mai bis Anfang Juni sowie September und Oktober meist die bessere Wahl: warm, aber nicht glühend, das Meer wärmer als im Frühsommer.

Nord- und Mitteleuropa

Im Norden liefert der Sommer die langen, hellen Tage – wobei Edinburgh zeigt, dass der Mai beim Licht vorn liegt. Für Städtetrips in Mitteleuropa sprechen Frühling und Herbst.

Ganzjahresziele – wo das Argument nicht trägt

Auf den Kanaren unterscheiden sich August und Oktober kaum, auch Lissabon ist ganzjährig gleich ausgelastet (Eurostat 2024). Dort gewinnst du in der Nebensaison keine spürbare Ruhe – dafür verlässlich gutes Wetter.

Der ehrliche Haken: was die Nebensaison kostet

Weniger Licht. Auf Mallorca sinkt die Sonnenscheindauer nach AEMET-Werten von 342 Stunden im Juli auf 203 im Oktober – gut 40 Prozent weniger. Statt eines nahezu regenfreien Juli musst du im Oktober mit Regen an rund sechs Tagen rechnen. In Edinburgh ist es subtiler: Die Zahl der Regentage unterscheidet sich zwischen Juli und Oktober kaum, die Sonnenstunden brechen aber um 42 Prozent ein. Der nordeuropäische Nebensaison-Nachteil ist Licht, nicht Regen.

Geschlossene Betriebe. Nach Zahlen des spanischen Statistikamts INE waren in Calvià auf Mallorca im August 2025 rund 165 Beherbergungsbetriebe geöffnet, im Oktober noch 134 – im November nur 14. Für September und Oktober ist das Problem also klein, ab November groß. Und es trifft nicht jeden Ferienort: In Arona auf Teneriffa schwankt die Zahl geöffneter Betriebe ganzjährig nur zwischen 39 und 42.

Ausgedünnte Verbindungen. Der Fahrplan der staatlichen kroatischen Fährlinie Vis–Split unterscheidet 2026 ausdrücklich drei Saisonstufen: Die Hochsaison endet am 20. September, der Saisontarif am 27. September. In der Nebensaison fahren werktags zwei statt drei Verbindungen – dafür kostet die Überfahrt 7,20 statt 9,10 Euro.

Und der Preis? Der Vorteil ist real, aber kleiner als gedacht. Nach dem EU-Verbraucherpreisindex für Beherbergung lagen die Preise im August 2025 EU-weit 8,5 Prozent über dem Mai und 8,4 Prozent über dem Oktober; in Kroatien sind es 31 Prozent gegenüber Mai. In Italien war der September 2025 dagegen teurer als der August, in Deutschland gibt es praktisch keinen Saisonunterschied. Dass die Nebensaison billiger sei, gilt länderweise – nicht als Regel.

Unserer Einschätzung nach: der beste Kompromiss

Die perfekte Reisezeit gibt es nicht, nur den besten Kompromiss aus Wetter, Preis und Andrang. Für die meisten Mittelmeerziele liegt der beste Kompromiss für uns im September: Das Meer ist noch fast so warm wie im August und deutlich wärmer als im Frühsommer, die Zahl der heißen Tage bricht gegenüber Juli und August ein, der Andrang ebenso – und die Betriebe haben noch offen. Der Oktober ist die riskantere Wette; er lohnt sich vor allem dort, wo er klimatisch kaum abfällt – auf Madeira und den Kanaren. Ruhe bekommst du dort allerdings nicht dazu; du kaufst reines Wetter.

Wem auch der September zu warm bleibt, der dreht die Frage um und sucht nicht den besten Monat, sondern das kühlere Ziel: Coolcationing verlegt den Sommerurlaub konsequent nach Norden oder in die Höhe. Und wer statt Strand ohnehin Stadt plant, umgeht die Hochsaison am einfachsten über die Städtetrip-Geheimtipps abseits der Ströme.

Für einen Teil der Reisenden ist die Zahl der heißen Tage keine Komfortfrage, sondern eine Sicherheitsfrage. Wer mit Hund unterwegs ist, liest die Klimatabelle anders – dort entscheidet die Hitze über mehr als die Urlaubsstimmung.

Kurz zusammengefasst

Die beste Reisezeit ist selten die offensichtliche. Lies Klimatabellen im Zusammenspiel – heiße Tage und warme Nächte, Regentage, Wasser- und Sonnenstunden statt nur der Höchstwerte. Für die meisten Mittelmeerziele ist der September der beste Kompromiss: Meer noch nahezu auf Augustniveau, deutlich weniger Hitze und Andrang, Betriebe noch offen. Prüfe aber zielgenau, was du eintauschst – vor allem Licht, mancherorts auch Verbindungen. Und rechne nicht überall mit einem Preisvorteil.

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