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Dry Tripping: Urlaub ohne Alkohol – so gelingt er

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Der erste Abend am Urlaubsort läuft fast überall gleich ab: Ankommen, auspacken, ein Glas auf der Terrasse. Das Glas ist so selbstverständlich, dass kaum jemand fragt, ob es sein muss. In einer Befragung eines großen Reisekonzerns mit 20.000 Teilnehmenden zeigte rund die Hälfte Interesse an Hotels mit leicht zugänglichen alkoholfreien Getränken.[2] Ein alkoholfreier Urlaub ist damit keine Randidee mehr, sondern eine Reiseform mit eigener Nachfrage. Was fehlt, ist meist nicht der Wille, sondern ein Plan für die Abende.

Was Dry Tripping ist — und was nicht

Dry Tripping bezeichnet einen Urlaub, bei dem du bewusst wenig oder keinen Alkohol trinkst. Der Begriff taucht als eigener Reisetrend im Trendbericht der Expedia Group auf; die Rubrik kommt von der Marke Hotels.com und beschreibt alkoholarmes bis alkoholfreies Reisen.[1] Ob andere Reiseverbände den Begriff verwenden, ist nicht belegt — der Name hängt bislang an einem einzelnen Konzern. Für dich als Reisenden spielt das keine Rolle. Die Praxis ist älter als das Etikett.

Zwei Abgrenzungen sind wichtig. Erstens: Dry Tripping ist keine Therapie und ersetzt keine. Dieser Text richtet sich an Menschen ohne Suchthintergrund, die den Alkohol im Urlaub einfach weglassen wollen. Wer merkt, dass der Verzicht schwerfällt, findet bei Beratungsstellen bessere Hilfe als in einem Wellnesshotel.

Zweitens: Es ist kein Gesundheitsprogramm mit Erfolgsgarantie. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) empfiehlt jedem Erwachsenen, den Konsum zu senken — unabhängig davon, wie viel er trinkt.[9] Das ist ein allgemeiner Rat, kein Versprechen für zwei Wochen am Meer. Was ein alkoholfreier Urlaub konkret verändert, hängt von dir ab, nicht vom Konzept.

Warum gerade im Urlaub

Der Urlaub ist der Ort, an dem Gewohnheiten leicht kippen — in beide Richtungen. Zu Hause trinkst du vielleicht nur am Wochenende. Am Pool wird aus dem Wochenende eine Woche. Genau deshalb ist der Urlaub auch der Ort, an dem sich ein Verzicht am einfachsten testen lässt: Die Routine ist ohnehin unterbrochen.

Die Datenlage zum Alkoholkonsum im deutschsprachigen Raum stützt den Trend, aber nicht pauschal. In Deutschland liegt der regelmäßige Konsum bei 18- bis 25-Jährigen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Messung.[4] Gleichzeitig ist das Rauschtrinken in derselben Altersgruppe nach der Pandemie wieder auf das Vorniveau gestiegen.[4] Die Krankenhausfälle mit rein alkoholbedingten Diagnosen sind laut Statistischem Bundesamt innerhalb eines Jahrzehnts um fast ein Drittel gesunken, am stärksten bei Jugendlichen.[5]

In der Schweiz sinkt der Anteil der täglich Trinkenden seit den Neunzigerjahren; bei den 15- bis 24-Jährigen ist täglicher Konsum sehr selten, Rauschtrinken dagegen verbreitet.[6] In Österreich hat sich der Anteil der Jugendlichen ohne jede Alkoholerfahrung in knapp zwei Jahrzehnten vervierfacht.[7] Trotzdem trinken sechs von zehn im Monat vor der Befragung.[7] Wir lesen das so: Im Alltag wird weniger getrunken, zum Anlass weiterhin. Der Urlaub ist ein Anlass.

Der Getränkemarkt folgt dieser Bewegung. Alkoholfreie Biere und Biermischgetränke haben nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds erstmals mehr als ein Zehntel des Handelsumsatzes erreicht.[10] Der Verband nennt sie die am schnellsten wachsende Sorte im Land.[10] Ob dieser Markt das Reiseverhalten treibt oder nur begleitet, ist nicht belegt. Unsere Einschätzung: Er entwertet vor allem die Ausrede „es gibt ja nichts anderes”.

Zur Gesundheit nur so viel: Das WHO-Regionalbüro für Europa hält fest, dass es keine unbedenkliche Menge Alkohol gibt.[3] Das ist kein Grund, den Urlaub zur Kur zu machen. Es ist ein Grund, das Glas nicht als Pflicht zu sehen.

Woran du alkoholfreie Unterkünfte und Retreats erkennst

Suche nicht nach einem Haus, das mit „alkoholfrei” wirbt. Suche nach Häusern, die es dir leicht machen, ohne Alkohol auszukommen — und erkenne die, die es dir schwer machen. Die Unterschiede zeigen sich vor der Buchung, wenn du weißt, wo du hinsiehst.

SignalWas es dir sagtSo prüfst du es
Getränkekarte online einsehbarAlkoholfreie Optionen jenseits von Cola und Wasser sind ein ZeichenKarte auf der Website oder per Anfrage anfordern
Halbpension mit GetränkepaketIst das Paket auf Wein und Bier ausgelegt, zahlst du für VerzichtNachfragen, ob ein Paket ohne Alkohol wählbar ist
AbendprogrammBar-Abende und Happy Hour setzen den Ton für den ganzen AbendWochenprogramm anfordern, nach Alternativen suchen
Lage zu Therme, Bad, BergenBewegung und Wasser strukturieren den Tag, nicht die BarEntfernung und Erreichbarkeit zu Fuß prüfen
Retreat mit TagesplanEin fester Rhythmus aus Kursen und Ruhe lässt keine Lücke für AlkoholBeispieltag anfordern, auf Abendslots achten
Sprache der Beschreibung„Genuss”, „Weinkeller”, „Sundowner” verraten, was das Haus betontWebsite und Bewertungen auf diese Begriffe durchsehen

(Die Tabelle nennt sechs Signale, was sie über die Alkoholkultur einer Unterkunft aussagen und wie du sie vor der Buchung prüfst.)

Keines dieser Signale ist allein entscheidend. Ein Haus mit Weinkeller kann trotzdem eine gute Wahl sein, wenn es tagsüber genug zu tun gibt und abends niemand nachschenkt. Umgekehrt hilft das beste alkoholfreie Angebot nichts, wenn der einzige Treffpunkt die Bar ist.

Retreats mit festem Programm sind für den ersten Versuch oft die einfachere Wahl, weil sie die Abende gleich mitplanen. Wie das bei Schweige- und Digital-Detox-Formaten funktioniert, beschreibt der Beitrag Silent Travel: Digital Detox und Schweige-Retreats. Vieles davon lässt sich auf den alkoholfreien Urlaub übertragen: Struktur ersetzt Entscheidung.

Tagesstruktur ohne Aperitif: Bewegung, Wasser, Abende

Das Problem eines alkoholfreien Urlaubs ist nicht der Vormittag. Es ist die Stunde zwischen Rückkehr und Abendessen — die Stunde, in der sonst der Aperitif stand. Wer diese Lücke nicht füllt, füllt sie mit dem Gewohnten. Also planst du sie zuerst.

Was funktioniert, ist unterschiedlich. Ein Muster, das wir empfehlen, weil es den Tag vom Abend her plant:

  • Lege die anstrengendste Aktivität in den späten Nachmittag. Wer um 18 Uhr von der Wanderung zurückkommt, hat Durst auf Wasser, nicht auf Wein.
  • Reserviere das Abendessen früh und lang. Ein Menü mit mehreren Gängen trägt einen Abend besser als ein schneller Teller und danach Leere.
  • Plane für die Zeit nach dem Essen etwas mit Anfang und Ende: eine Vorstellung, ein Nachtbad, eine Runde durch die Altstadt.
  • Trinke etwas, das nach etwas schmeckt. Alkoholfreies Bier, bittere Limonade, Tee — die Hauptsache ist, dass ein Glas in der Hand ist, das du gewählt hast.
  • Geh früher ins Bett, als du es im Urlaub sonst tust. Die Tage ohne Alkohol beginnen früher, weil sie enden, wenn der Abend fertig ist.

Ob du durch den Verzicht besser schläfst, lässt sich nicht objektiv belegen. Eine Kohortenstudie der University of Sussex verglich Dry-January-Teilnehmende über sieben Monate mit einer Vergleichsgruppe.[8] Wer den Monat durchhielt, berichtete von besserem Wohlbefinden und mehr Kontrolle über den eigenen Konsum; diese Effekte hielten bis zum Sommer an.[8] Alle Werte beruhen auf Selbstauskünften, nicht auf Messungen; die Teilnehmenden hatten sich selbst gemeldet.[8] Für einen Urlaub heißt das: Erwarte nichts Messbares, aber rechne mit Abenden, die anders enden.

Wer unsicher ist, ob das über zwei Wochen trägt, testet es über zwei Tage. Der Beitrag Kurzurlaub und Wochenendtrip erklärt, was eine kurze Auszeit leistet und was nicht — ein alkoholfreies Wochenende ist der kleinste sinnvolle Versuch.

Reiseziele mit starker alkoholfreier Kultur

Es gibt keine Karte alkoholfreier Regionen, und Reiseziele werben nicht damit. Es gibt aber drei Landschaftstypen, in denen der Tag ohne Alkohol weniger Planung braucht, weil der Ort ihn bereits strukturiert.

Thermen und Kurorte: Der Tagesablauf folgt den Becken, nicht der Bar. Wer nachmittags im warmen Wasser liegt, hat abends selten das Bedürfnis nach einem zweiten Rausch. Schließt das Bad, wird das Abendessen zum Abschluss des Tages, nicht zum Auftakt des Abends.

Berge: Höhenmeter machen den Aperitif unattraktiv. Der Körper verlangt nach dem Aufstieg Wasser und Salz, und der nächste Tag beginnt früh. Berghütten sind zwar keine alkoholfreien Orte, aber die Abende dort sind kurz.

Küste außerhalb der Saison: Strandbars leben vom Sundowner. Ohne die Bar ist die Küste ein Ort für lange Spaziergänge, kalte Bäder und frühe Nächte. Wer in der Nebensaison fährt, trifft weniger Trinkende und mehr Wandernde.

Diese Zuordnung ist unsere Einschätzung aus der Praxis, keine belegte Regel. Ein Thermenhotel mit Weinabend bleibt ein Thermenhotel mit Weinabend. Die Landschaft hilft, sie entscheidet nicht.

Mitreisende und Reisegruppen

Ein gewichtiger Grund, im Urlaub doch zu trinken, sitzt am selben Tisch. Nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit: Wer bestellt, bestellt für alle. Drei Situationen kommen fast immer vor, und für alle gibt es eine Lösung, die niemanden belehrt.

Zu zweit, der andere trinkt: Sag es vor der Reise, nicht am ersten Abend. Ein Satz reicht — „Ich lasse diesmal den Alkohol weg, bestell dir ruhig, was du magst.” Ohne Begründung, ohne Bitte um Rücksicht. Eine Begründung lädt zur Diskussion ein, ein Satz nicht.

In der Gruppe: Übernimm die Planung der Abende. Wer den Tisch reserviert, die Tour bucht und das Programm vorschlägt, bestimmt, wo der Abend stattfindet. Eine Gruppe, die um 20 Uhr im Restaurant sitzt und um 22 Uhr am Strand, hat weniger Bar-Zeit als eine, die „mal schauen” sagt.

Allein: Leicht, weil niemand nachschenkt — und schwer, weil niemand da ist, wenn der Abend leer wird. Wer solo reist, plant die Abende deshalb noch fester. Was dabei hilft und was Alleinreisende über 40 anders machen, steht im Beitrag Solo reisen ab 40 und 50.

Rechne damit, dass du gefragt wirst. „Warum trinkst du nichts?” ist eine Frage, die kommt, und eine mit kurzer Antwort: „Diesmal nicht.” Wer weiterfragt, bekommt dieselbe Antwort noch einmal. Rechtfertigung erzeugt Diskussion; ein kurzer Satz beendet sie.

Checkliste vor der Buchung

  1. Fordere die Getränkekarte der Unterkunft an und prüfe, ob es mehr als Wasser und Softdrinks ohne Alkohol gibt.
  2. Frage nach, ob Halbpension oder All-inclusive ohne Alkoholpaket buchbar ist.
  3. Lies das Wochenprogramm und markiere jeden Abend, der auf Bar oder Verkostung hinausläuft.
  4. Prüfe die Entfernung zu Therme, Bad, Wanderwegen oder Strand zu Fuß.
  5. Sag Mitreisenden vor der Buchung, dass du ohne Alkohol reist.
  6. Plane für jeden Abend eine Aktivität mit festem Ende, bevor du den Hinflug buchst.
  7. Packe ein alkoholfreies Lieblingsgetränk ein, falls die Karte vor Ort enttäuscht.
  8. Buche für den ersten Versuch zwei bis drei Nächte, nicht zwei Wochen.

Lohnt sich ein Urlaub ohne Alkohol für dich?

Wenn deine Urlaubsabende bisher vor allem aus Gläsern bestanden haben, ist die Antwort ja. Nicht aus Gesundheitsgründen, sondern weil du sonst nie erfährst, wie ein Abend am Urlaubsort ohne Glas ist. Die Nachfrage ist da, das Angebot an Getränken wächst,[10] und die Unterkunft, die es dir leicht macht, lässt sich vor der Buchung erkennen. Fang mit einem Wochenende an. Wenn es trägt, weißt du, wie die zwei Wochen aussehen.

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Einzelnachweise

[1]: Introducing Unpack ‘24: The Trends in Travel from Expedia, Hotels.com and Vrbo (öffnet in neuem Tab) – Pressemitteilung eines Reiseanbieters, veröffentlicht: 08.11.2023

[2]: Unpack ‘24: Hotel Trends – Expedia Group Partner Blog (öffnet in neuem Tab) – Marktforschung eines Reiseanbieters, veröffentlicht: 28.02.2024

[3]: No level of alcohol consumption is safe for our health – WHO Regional Office for Europe (öffnet in neuem Tab) – Gesundheitsbehörde, veröffentlicht: 04.01.2023

[4]: BZgA: Alkoholkonsum junger Menschen – Ergebnisse der Erhebung 2023 (Wiedergabe beim Deutschen Präventionstag) (öffnet in neuem Tab) – Gesundheitsbehörde, Sekundärveröffentlichung, veröffentlicht: 04.11.2024

[5]: Statistisches Bundesamt: Stationäre Behandlungsfälle aufgrund alkoholbedingter Diagnosen (öffnet in neuem Tab) – Amtliche Statistik, veröffentlicht: 11.02.2026

[6]: Sucht Schweiz: Zahlen und Fakten zum Alkoholkonsum (öffnet in neuem Tab) – Fachstelle Sucht, abgerufen am: 11.09.2026

[7]: Gesundheit Österreich GmbH: Suchtverhalten Jugendlicher – ESPAD-Erhebung 2024 (öffnet in neuem Tab) – Forschungsinstitut des Bundes, veröffentlicht: 2024, abgerufen am: 11.09.2026

[8]: de Visser & Piper: Short- and Longer-Term Benefits of Temporary Alcohol Abstinence During ‘Dry January’ – Alcohol and Alcoholism (öffnet in neuem Tab) – Peer-reviewed Fachzeitschrift, veröffentlicht: 07.2020

[9]: Wissenschaftliches Kuratorium der DHS: Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol (öffnet in neuem Tab) – Fachverband, Positionspapier, veröffentlicht: 10.2023

[10]: Deutscher Brauer-Bund: Alkoholfreie Biere klettern auf 10 Prozent (öffnet in neuem Tab) – Branchenverband, Pressemitteilung, veröffentlicht: 02.02.2026